Balticipation – internationale Jugendbegegnung des LJR und KJR ging zu Ende

Landes- und Kreisjugendring organisierten Erfahrungsaustausch
Baltic Youth Exchange zu Gast auch im Jugendzentrum „Takt-Los!“ in Mölln
Aus Polen, Russland, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen und aus Schleswig-Holstein kamen Jugendliche und Begleiter zusammen, um sich vom 6. bis 13. Oktober kennenzulernen und im wechselseitigen Austausch neue Ideen für das Engagement vor Ort zu entwickeln. Ein entspannter Nachmittag im Möllner Jugendzentrum „Taktlos“ gehörte dazu.

Auf den Spuren der „Alltagsbeteiligung“ führte das Team die Jugendlichen in Kleingruppen durch das Jugendzentrum. Ein Stopp bildete dabei unter anderem das Büro des Kinder- und Jugendbeirats Mölln, dessen Mitglieder von ihren Projekten berichteten. Neben anderen führte auch Möllns Streetworker Benne Kuppe eine Gruppe durch die Einrichtung. Dabei interessierten sich die Jugendlichen für Fragen, wie man denn als Streetworker mit Jugendlichen in Kontakt käme und wie unterschiedlich gewichtet die Geschlechter Angebote der Straßensozialarbeit annehmen.

Mit der Neugier der Teilnehmenden und dem regen Austausch von Erfahrungen zeigte sich Markus Krajc sehr zufrieden. Krajc ist Referent für internationale Jugendarbeit beim LJR und organisierte mit Sara Opitz vom KJR die einwöchige „Balticipation“. „Es ist sehr schön, wie die Jugendlichen sich über ihre Rechte und ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in den jeweiligen Ländern austauschen und erfahren, wie sie sich vor Ort beteiligen können. Für Jugendliche ist es wichtig, dass Entscheidungen transparent sind und zeitnah umgesetzt werden. Wir werden in dieser Woche auch mit Politikern diskutieren und über Werkzeuge sprechen, die zu einer besseren Beteiligung Jugendlicher an Entscheidungsprozessen führen“, sagte Markus Krajc. Für Sara Opitz war es „spannend, zu sehen, wie die jungen Menschen sich in den verschiedenen Ländern engagieren und dass es Ähnlichkeiten in den Strukturen, wie beispielsweise zu unserem Kreisjugendring, gibt“. Opitz erlebte die Jugendlichen als „sehr offene, zugewandte und wertschätzende Gruppe. Sie gehen vorurteilsfrei aufeinander zu.“
„Ich repräsentiere hier Deutschland“ strahlte die siebzehnjährige Hamide Basak Kanat aus Flensburg, die kurzfristig über einen freien Platz in die deutsche Gruppe kam. Mit ihrem Namen und ihrem Aussehen sei sie, die junge Deutsche, sonst immer „die Türkin“. Basak engagiert sich im Flensburger Jugendzentrum „Speicher“ und ist Mitgründerin des „Culture Ladies“- Gesprächskreises. „Wir reden dort über wichtige Themen, über die aus unserer Sicht noch zu wenig gesprochen wird: Sexismus in den Medien, Rassismus, Beschneidungen bei Frauen und Männern.“ Basak besucht die Berufsschule für Gesundheit und Ernährung. Zu der „Balticipation“ sagte sie: „Ich hatte keine Erwartungen, aber Jugendliche brauchen das Gefühl, gehört zu werden. Wenn wir die Chance bekommen, etwas zu sagen, dann sagen wir auch etwas!“ Mit ihrem offenen, fröhlichen Wesen meinte die leidenschaftliche Klavierspielerin etwas selbstironisch: „Wenn ich selbst an Ausländer gedacht habe, waren es Menschen mit einer anderen Hautfarbe, aber ich habe nicht gleich an Finnen oder Norweger gedacht.“ Basak ist sich sicher, mit vielen aus dieser Gruppe über Social Media in Kontakt zu bleiben.

Ursprünglich stammt Agata Koczwara aus Polen, seit sechs Jahren lebt sie in Geesthacht. Agata engagiert sich auf verschiedenen Ebenen ehrenamtlich: Neben der Schülervertretung an ihrer Schule hat sie mit anderen die Vorarbeit geleistet, in Geesthacht einen Kinder- und Jugendbeirat auf den Weg zu bringen. „Wir haben in den ersten Tagen hier viele Workshops durchgeführt, aber auch sehr viel draußen gemacht“, sagte Agata. Auch sie ist sich sicher, mit anderen in Kontakt zu bleiben, auch Gegenbesuche sind in Planung: „In 2021 ist Klaipeda in Litauen europäische Jugendhauptstadt, da kann es ein Wiedersehen geben!“


„Sobald die jungen Leute über Themen aus ihren Heimatorten ins Gespräch kommen, wird relativ schnell klar, dass sie oft ähnlichen Problemen und Herausforderungen gegenüberstehen“, so Sara Opitz über die Bereiche, in denen Jugendliche engagiert sind. Beispielhaft können hier der oft mangelhaft ausgebaute öffentliche Nahverkehr, fehlende Räume für Jugendliche oder der Umweltschutz genannt werden – alles Themen, die junge Menschen bewegen, ob im finnischen Kuopio, im lettischen Kandava oder im Herzogtum Lauenburg. Sich in solch einem europäischen Kontext wie der Jugendbegegnung auszutauschen scheint für die Teilnehmenden ein wichtiger Schritt, um die Stimmen junger Menschen nachhaltig zu stärken.
Dank den Förderungen durch das Erasmus-Plus-Programm und durch das Land Schleswig-Holstein war die Woche „Balticipation“ für die Teilnehmenden kostenlos möglich.
























